Berührender Geschichtsvortrag von Ricardo Laubinger
Verachtet, verfolgt, ermordet und vergast – wenn man das hört, denkt man direkt an die Judenverfolgung im Dritten Reich um 1940. Doch nicht nur die Juden wurden zu dieser Zeit gequält. Zwei weitere Gruppen waren Ziel der Nazis – die Sinti und die Roma. Genau darüber hat am Mittwoch, den 18.03.2026 ein Gast aus Hessen berichtet. Ricardo Lenzi Laubinger war von der 3. bis zur 5. Stunde zu Gast in unserer Schule und hielt einen berührenden und zugleich aufklärenden Vortrag mit Berichten aus seiner Familie für den 10.-12. Jahrgang.
Was sind Sinti und Roma überhaupt?
Herr Laubinger erklärte, dass man es nicht genau weiß, jedoch eine Theorie verfolgt. Man geht davon aus, dass Sinti und Roma in der so genannten Region Sinti in Indien gelebt haben. Dann soll eine Hungersnot ausgebrochen sein. Die beiden Gruppen trennten sich vermutlich, da sie zwei verschiedenen Kastensystemen angehört haben und die Roma die Dienstboten der Sinti waren, also für sie arbeiteten. Aufgrund der Hungersnot entschieden sich die Roma schließlich, sich von den Sinti zu trennen und wanderten in die östlichen Länder Europas, während die Sinti in die westlichen Länder Europas wanderten. Seit ca. 600 Jahren sind die Sinti in Deutschland, und deshalb betrachten sie sich selbstverständlich auch als Deutsche. Herr Laubinger sagte, dass er sich gar nichts anderes vorstellen könnte, als Deutscher zu sein. Die Sinti haben sich angepasst und untergeordnet und wurden doch aufgrund ihrer Geschichte immer wieder diskriminiert, verschleppt und ermordet.
Seine persönliche Verbindung
Ricardo Lenzi Laubinger ist selbst ein Sinto. Die vielen Geschichten, die er beim Vortrag mit uns geteilt hat, hat er größtenteils von seiner Mutter und von all den amtlich bestätigten Dokumenten und Papieren. Viele seiner Familienmitglieder, die er gar nicht kennen konnte, wurden in verschiedenste Konzentrationslager deportiert. Viele Kleinkinder, Cousins und Cousinen, Onkel und Tanten wurden gequält, in Versuche gezwungen oder auf andere schreckliche Weisen misshandelt.
Herr Laubingers Mutter z.B. kam 1940 mit 14 Jahren ins KZ und überlebte 5 Jahre lang in verschiedenen Lagern. Er selbst wurde 1959, also lange nach der Nazi-Zeit geboren. Dennoch erfuhr er in der Schule Ausgrenzung und wurde diskriminiert. Da seine Eltern Angst vor erneuter Verfolgung hatten, durfte er als Kind nicht über seine Herkunft sprechen.
Heute setzt sich Ricardo Lenzi Laubinger aktiv für die Gleichberechtigung und Teilhabe der Sinti ein. Er hat ein Buch über das Leben seiner Mutter geschrieben: „Und eisig weht der kalte Wind“. Zudem besucht er regelmäßig Schulen, um junge Menschen über die Geschichte seiner Familie und das Schicksal der Sinti und Roma zu informieren.

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